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Die ersten Wochen in Sucre Vol.1

Nun ist schon wieder fast eine Woche seit dem letzten und auch ersten Blogbeitrag vergangen. Obwohl ich schon meine erste Arbeitswoche und besondere Erlebnisse in Sucre hinter mir habe, möchte ich die letzten Wochen noch ein wenig Revue passieren lassen. Denn ich habe in dieser Zeit nicht nur die Stadt, in der ich nun für ein Jahr leben werde, entdecken und besser kennenlernen können, sondern auch viele tolle Erfahrungen mit meinen Mitfreiwilligen gemacht.

Eine große Rolle spielt in den ersten Wochen vor allem das neue Essen. Fast jeden Tag probieren wir uns durch für uns unbekannte Cafés, Restaurants und kleine Straßenstände. Doch nicht alle vertragen die Salteñas, Empanadas und Säfte gut. Zudem spielt auch die Höhe bei einigen ein kleines Problem. Alles in allem gelingt die Anpassung jedoch gut, denn in Sucre gibt es auch immer die Möglichkeit, auf europäisches Essen zurückzugreifen, da vor allem das Stadtzentrum touristisch geprägt ist.

Ungewohnter ist allerdings das Wetter. Als ich früher an mein Jahr in Bolivien dachte, sah ich mich in kurzer Hose durch die Straßen laufen. Doch das ist in Sucre ein wenig anders. Während in Santa Cruz oder Camiri fast durchgehend über 30° sind, wird es in Sucre nur durch die Sonne warm. Vor dem Sonnenaufgang und nach dem Sonnenuntergang herrschen stattdessen zwischen 8°-12°. Das ist zwar immer noch angenehm, allerdings gibt es auch Tage an denen keine Sonne zu sehen und demnach auch Wärme zu spüren ist. Diese Tage verbringen wir eingekuschelt auf der Couch, da die Temperatur dann eher um 5° schwankt. Nichtsdestotrotz kommt in diesen Tagen ein Urlaubsgefühl auf, da wir neben einigen langen und Geduld erfordernden Behördengängen und dem täglichen Spanischkurs die Stadt erkunden.

So zum Beispiel den großen Mercado Central, auf dem man neben frischem Obst und Gemüse auch jegliche Haushaltsartikel, Kosmetikprodukte und mehr kaufen kann. Dort werden alle Sinne mit neuen Eindrücken geflutet, seien es die bunten Farben unbekannter Früchte, das Gewimmel vieler Menschen, die lauten Stimmen der Marktfrauen oder verschiedenste, kaum einordbare Gerüche.

Hin und wieder hört man auch das Wort „Gringo“, welches die Bolivianos flüstern, wenn sie uns Freiwillige sehen. Das Wort „Gringo“ ist eigentlich bezeichnend für Amerikaner:innen, die durch ihre weiße Haut auffallen. Allerdings werden mittlerweile einfach alle weiß-aussehenden Menschen so genannt. Der Begriff ist hierbei meist gar nicht unbedingt abwertend zu verstehen, trotzdem fühlt es sich manchmal komisch an, direkt als „anders“ und vielleicht auch „fremd“ wahrgenommen zu werden. Oftmals, vor allem abends in Bars oder Clubs, fragen Menschen auch nach Fotos mit uns, einfach nur weil wir anders aussehen.

Neben diesen vereinzelten Momenten überwiegen jedoch die grundlegende Freundlichkeit und Aufrichtigkeit der Menschen.

Die Stadt, die viel mehr als die bekannten weißen Kolonialbauten zu bieten hat, überblickt man am besten vom Rathaus aus. Nachdem man eine etwas unsicher wirkende Treppe bestiegen hat, kann man ganz Sucre überblicken und im Hintergrund immer die Sicht auf die Berge genießen. Neben den vielen Häusern, Straßen und markanten Kirchen, fällt vor allem eine riesige, grüne mit Bäumen bepflanzte Fläche auf, der große Friedhof von Sucre.

Auch diesen haben wir an einem Tag besucht. In der sonst so belebten Stadt findet man ein wenig abseits vom Zentrum Ruhe auf dem „Cementerio“. Statt Grab an Grab wie in Deutschland, werden die meisten Urnen und Särge in Wänden beigesetzt. Die Toten erhalten dabei eine Art Fenster oder Altar, die mit kleinen Gaben für den Weg in den Himmel, Blumen oder Schriftzügen geschmückt sind.  Wohlhabendere Familien sind oftmals in Familiengräbern bestattet, die fast schon kleineren Häusern ähneln. Auffällig war für mich, dass dieser Ort im Vergleich zum Rest der Stadt sehr bepflanzt und damit irgendwie ruhig wirkt. Hier konnten wir in den Baumkronen auch kleine Papageien und Wellensittiche entdecken.

Doch das sind nicht die einzigen Tiere, die man auf Straßen Sucres wiederfindet. In jeder Straße sind Straßenhunde, die entweder wirklich auf der Straße leben oder tagsüber von ihren Besitzer:innen aus dem Haus gelassen werden. Dadurch wirkt die Stadt noch lebendiger und man hat ab und zu einen Vierbeiner zum Streicheln (natürlich nur mit
Tollwutimpfungen 😊).

Eine große Entdeckung war für mich zudem eine Turnhalle, in der Volleyball gespielt wurde. Während die Arbeit, von der ich natürlich bald berichten werde, an Fahrt aufnimmt, starte ich nebenbei die Suche nach einem neuen Volleyballverein.

Was in den ersten Wochen noch alles passiert ist und wie der Arbeitsalltag im Bildungszentrum „Cerpi“ aussieht, das erzähle ich alles in den nächsten Beiträgen. Bis dahin gibt es in der Fotogalerie ein paar weitere Eindrücke.


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