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Die ersten Wochen in Sucre Vol.2

Mitten aus meinem Alltag heraus möchte ich noch ein letztes Mal zu den Erlebnissen in den ersten Wochen in Sucre schreiben. Denn in der Anfangsphase haben wir fast jeden Tag einen Ausflug in die Stadt gemacht und dabei besondere Dinge entdeckt.

Das heißt vor allem, dass wir zunächst die vielen touristischen Sehenswürdigkeiten Sucres besucht haben. So sind wir an einem Tag mit dem Bus an den Stadtrand zum „Castillo de La Glorieta“ gefahren. Ein altes, mittlerweile schon etwas heruntergekommenes Schloss, welches von spanischen Kolonialisten erbaut wurde. Auf den ersten Blick wirkt es von außen durch die auffällige rote Fassade zwar instandgehalten, allerdings sind die Räume teilweise leer, kaputt oder mit sämtlichen Möbeln oder Gegenständen zugestellt. Hier ist mir klar geworden, wie aufwendig Restaurierung und Instandhaltung sind und was für eine Arbeit der Denkmalschutz in Deutschland leisten muss.

Ein weiteres touristisches Highlight waren die Dinosaurierspuren, die in den 80er Jahren am Rand von Sucre entdeckt wurden. Mittlerweile wurde um die 180 Meter hohe Wand, an der sich verschiedenste Dinosaurier mit ihren Fußstapfen verewigt haben, eine Art Dinosaurierpark geschaffen. Das bedeutet, dass riesige Figuren von Dinosauriern für ein wenig Ambiente sorgen. Falls sich jemand, wie ehrlicherweise auch ich in dem Moment, fragt, wie die Dinos senkrecht an Wänden laufen konnten, habe ich eine kurze Erklärung. Leider konnten die Dinosaurier damals nicht Wände hochlaufen. Verantwortlich dafür, dass man die Spuren heute an einer Wand betrachten kann, ist ganz einfach die Plattenverschiebung. Diese hat die Fußspuren, die damals natürlich auf dem Boden waren, über Millionen von Jahren in die Vertikale gedrückt. So entstand der schon beeindruckende Anblick der riesigen Gebirgswand mit Dinosaurierspuren. Während unseres Besuchs wurde direkt neben der restaurierten Wand gebaut, da in den nächsten Jahren direkt neben den bekannten Dinosaurierspuren eine Holzachterbahn eröffnet werden soll. Während in Deutschland ein derartiger Fund abgesperrt und ausgiebig restauriert worden wäre, entsteht in Bolivien eine riesige touristische Attraktion mit Fahrgeschäften.

Ein weiterer Unterschied ist mir an einem Abend, an dem Bolivien im Rahmen der Qualifikation für die Fußballweltmeisterschaft gegen Kolumbien gespielt hat, einmal mehr deutlich geworden. Denn während in Deutschland, auch bei großen und wichtigen Fußballspielen, oft irgendwie ein komisches Gefühl mitschwingt, wenn man so etwas wie Nationalstolz spürt, ist in Bolivien das Gegenteil der Fall. Hier sieht man in jeder Straße übergroße Bolivienflaggen von den Balkonen und aus den Fenstern hängen, die Nationalhymne wird vor jedem Fußballspiel stolz und mit voller Kraft mitgesungen und auch so merkt man den Menschen an, dass sie ihr Land lieben und stolz darauf sind, bolivianisch zu sein.
Für mich selbst merke ich, dass ich es irgendwo bewundere, wenn andere Menschen so stolz auf ihr Land sind, ich mir selbst aber nie eingestehen kann, stolz darauf zu sein, deutsch zu sein oder Deutschland als Nation liebe.

Zurück zum Fußball, denn auch wenn Bolivien recht deutlich mit 3:0 gegen Kolumbien verloren hat, konnte Bolivien in die nächste Qualifikationsrunde für die Weltmeisterschaft 2026 einziehen. Grund dafür ist ein 1:0-Sieg gegen „die“ Fußballnation Brasilien. Auf den ersten Blick kann man sich gar nicht erklären, wie Bolivien dieses Spiel gewinnen konnte. Betrachtet man jedoch, wo das Spiel stattgefunden hat, findet man schnell eine Erklärung. Denn Austragungsort war ein Stadion in El Alto, in der Nähe von La Paz. Besonders ist, dass dieses Stadion auf rund 4000 Metern Höhe liegt. Mit diesem Heimvorteil konnte die bolivianische Nationalmannschaft es also schaffen, gegen eines der besten Fußballteams der Welt zu gewinnen und ist so vielleicht das erste Mal seit 1994 wieder bei der Fußballweltmeisterschaft dabei.

Ansonsten verbringen wir viel Zeit am Plaza, der das Zentrum Sucres bildet. Hier befindet sich auch das örtliche Rathaus, von dem man für 15 Bolivianos (rund 1€) Eintritt einen wunderschönen Ausblick über Sucre hat. Der Weg auf das Dach des Gebäudes fordert zwar ein wenig Mut ab, da die Treppe dorthin lediglich aus dünnen Metallstreben besteht, denen man wirklich vertrauen muss. Trotzdem hat sich das Ganze gelohnt, da wir so das erste Mal einen kompletten Überblick über Sucre hatten und das Ganze auch noch bei sonnigem Wetter.

Abends genießen wir auch ab und zu das Nachtleben Sucres, wobei wir an einem Abend in einer Bar gelandet sind, die direkt am Plaza war. Das Besondere an dieser Bar waren nicht die Cocktails, die 30 Bolivianos (ungefähr 2-3€) gekostet haben und nach einer Mischung aus 50 % Alkohol und 50 % Mixgetränken geschmeckt haben, sondern der kostenlose Tanzkurs. Hier haben wir unsere ersten Salsa-Schritte gemacht und ein Stück lateinamerikanische Kultur kennengelernt. Auch sonst ist auffällig, dass viel traditionelle Musik gespielt wird und demnach auch getanzt wird.

So richtig in Kontakt mit traditionellem, bolivianischem Tanz bin ich jedoch eine Woche nachdem wir mit unserem Visum fertig geworden waren, gekommen.
Doch wie es zu dieser unvergesslichen Erfahrung gekommen ist und was ich überhaupt gemacht habe, werde ich beim nächsten Mal erzählen. 


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