Diesen Titel habe ich nicht nur in Bezug auf die ersten Tage und Wochen in Bolivien gewählt, sondern auch passend zu meinem Blog. Denn die letzten Wochen waren sehr aufregend und mit vielem Neuem verbunden, weshalb ich nicht wirklich Zeit für meinen Blog gefunden habe. Nun geht es jedoch endlich los mit meinen Gedanken, Erfahrungen und Berichten. Doch erstmal von vorne:
Alles begann am 13. August, als ich mich von meiner Familie verabschiedet habe und in den Zug nach Frankfurt gestiegen bin. Hier wurde mir deutlich, dass es jetzt los geht. Jetzt beginnt ein Jahr Neues Erleben, Erfahren und Kennenlernen. Zwischen Vorfreude und Trauer ging die Reise los. Erst mit dem Zug nach Frankfurt und von dort über Madrid nach Santa Cruz de la Sierra.
Während ich mit meinen Mitfreiwilligen vom Flughafen zu unserer Unterkunft gefahren bin, prasselten bereits die ersten Eindrücke Boliviens auf mich ein: der Straßenverkehr spontan, laut und effektiv,
die Straßen voll mit Bolivienflaggen und die ersten hohen Palmen.
Die Tage in Santa Cruz waren besonders, nicht nur weil ich eine neue Stadt entdecken konnte, sondern auch weil ich 20 neue Menschen kennengelernt habe. Doch bereits nach zwei Tagen ging die Reise weiter nach Sucre, die Hauptstadt Boliviens.
Mit dem Überlandbus, einem sogenannten „Flota“, sind wir über Nacht in die 2.800 Meter hoch gelegene Stadt gefahren. Mit Erinnerungen an deutsche Reisen mit der Deutschen Bahn oder mit Flixbus muss ich sagen, dass diese nächtliche Reise ein Traum war. Jede Person hat einen breiten Sitz, der sich fast vollständig in die Waagrechte bewegen lässt. Das einzige Problem in dieser Nacht war die Kälte, die nur mit Schlafsack aushaltbar war. Nach rund 15 Stunden Fahrt sind wir letzten Endes in Sucre angekommen, wo ich nun ein gesamtes Jahr verbringen werde.
Unsere Unterkunft, in der ich mit vier anderen Freiwilligen leben werde, besteht aus gemütlichen Schlafzimmern mit Hochbetten, einer Küche mit großem Wohnzimmer und dem Highlight: einem eigenen Garten mit Palmen. Hier werde ich mich mit Unterstützung von meinem Mentor, welcher unser Nachbar ist, selbst verpflegen müssen und das erste Mal in meinem Leben komplett eigenständig wohnen. Bereits in den ersten Tagen musste ich jedoch feststellen, dass Toiletten in Bolivien schneller verstopfen können als man denkt und Duschen hier nicht immer kuschelig warm sind. Trotzdem bin ich sehr glücklich mit meinem neuen „Zuhause“. In weniger als 30 Minuten kann man das Stadtzentrum, den Plaza 25 de Mayo (benannt nach dem Beginn des bolivianischen Unabhängigkeitskampf gegen die spanischen Kolonialist:innen), erreichen. Dort tummelt sich das Leben mit verschiedensten Cafés, die wir in den letzten Wochen regelmäßig besuchten, riesigen Palmen, Kirchen und den markanten weißen Kolonialgebäuden. Normalerweise sind die Straßen von hupenden und vielleicht nicht immer TÜV-geprüften Autos gefüllt.
Doch bereits an unserem zweiten Tag in Sucre, dem 16. August, hatten wir das Glück, auf leeren Straßen die Stadt zu erkunden. Aber dieser Tag war nicht nur besonders, weil keine Autos fahren durften, sondern vor allem weil das bolivianische Volk einen neuen Präsidenten wählte (hier besteht natürlich ein Zusammenhang 😊). Für viele bolivianische Menschen mit denen ich gesprochen habe, war dies eine sehr entscheidende Wahl, da sich schon lange anbahnte, dass die seit 20 Jahren regierende sozialistische Partei diesmal nicht den Präsidenten stellen würde. Denn Großteile der Bevölkerung sind nicht nur unzufrieden aufgrund von zunehmender Inflation und wirtschaftlicher Misere, sondern vor allem enttäuscht von den sozialistischen Präsidenten. Diese haben sich, wie in den letzten Jahren nach und nach ans Licht gekommen ist, nicht wirklich für Gleichheit eingesetzt, sondern sich stattdessen mit Privatfliegern und privaten Anwesen ein luxuriöses Leben gestaltet. Demnach wählten viele Menschen die christdemokratische Partei „PDC“ (rund 32%) und die rechts-konservative Partei „Libre“ (rund 27%). Ein Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung bietet hier noch ein paar mehr Informationen. Da keine Partei eine absolute Mehrheit erhalten hat, wird es im Oktober eine Stichwahl zwischen den beiden genannten Parteien geben. Dort wird sich entscheiden, wer der neue bolivianische Präsident wird und Bolivien hoffentlich aus der wirtschaftlichen Krise holen wird.
Neben diesen ersten politischen Eindrücken von Bolivien rückte für mich jedoch recht schnell meine eigene Reise in den Vordergrund. Denn die ersten Wochen waren geprägt von sämtlichen Behördengängen für mein Visum, was oftmals mit viel Warten verbunden war, und dem täglichen Spanischkurs.
So beginnt mein Jahr mit einem recht einfachen Einstieg, der sich mehr wie ein Urlaub anfühlt. Denn jeden Tag erkunde ich die Stadt mit meinen neuen Freunden und Freundinnen ein bisschen mehr. Doch davon gibt es im nächsten Blogeintrag mehr von zu hören.



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